Es gibt die Macht der Heilung

Taras Geschichte


Vor dem Salt-Lake-Tempel hält sich ein Paar an der Hand

In meinem ersten Studienjahr lernte ich den Mann meiner Träume kennen. Er war 21 Jahre alt und bereitete sich gerade auf seine Mission vor. Manchmal fragte ich mich, was ihn daran gehindert haben mochte, mit 19 auf Mission zu gehen. Er erwähnte, dass er gerade dabei sei, einiges aus seiner Vergangenheit in Ordnung zu bringen. Damals dachte ich, dass mich die Einzelheiten nichts angehen.

Während er auf Mission war, entschloss ich mich, ebenfalls auf Mission zu gehen. Nachdem wir beide wieder zu Hause waren, gingen wir hin und wieder miteinander aus. In meinem Innersten spürte ich jedoch, dass es da etwas in seiner Vergangenheit gab, das unsere mögliche gemeinsame Zukunft beeinträchtigen könnte. Er sagte mir immer wieder, wenn ich Fragen zu irgendetwas in seiner Vergangenheit habe, würde er mir nichts verheimlichen.

Bei einem Telefongespräch stellte ich ihm schließlich die Frage, was ihn davon abgehalten habe, mit 19 auf Mission zu gehen. Er erklärte mir, dass er süchtig nach Pornografie gewesen sei. Ich fühlte mich wie nach einem Schlag in die Magengrube und konnte minutenlang nichts sagen. Ich sagte ihm, ich brauche Zeit zum Nachdenken, und legte auf. Hunderte Fragen schossen mir durch den Kopf. War das nun ein Grund, mich auf keine ernsthafte Beziehung mit ihm einzulassen? Mein Leben lang war ich bestrebt gewesen, meinem zukünftigen Mann zuliebe ein rechtschaffenes Leben zu führen. Sollten wir, weil er das nicht so gehalten hatte, also nicht zusammenkommen können? Und wie würde sich das auf unsere zukünftige Familie auswirken? Würde er immerdar mit diesem Problem zu ringen haben?

Ich brauchte Rat, wusste aber nicht, an wen ich mich wenden sollte, denn ich wollte das weder mit meinen Eltern noch mit meinen Freunden besprechen. Ich kam zu dem Schluss, dass unserer Beziehung keine Zukunft beschieden sei, doch wir wollten Freunde bleiben. Doch wenn ich mit anderen ausging, hatte ich immer noch ihn im Hinterkopf. Später gingen wir doch wieder miteinander aus, doch dieselben Fragen quälten mich. Nach vielem Nachdenken und so mancher Aussprache ging ich einmal in den Tempel, um den Herrn zu befragen. Dort verspürte ich den ruhigen Frieden, dass ich unsere Beziehung fortsetzen könne.

Nachdem wir einige Jahre miteinander befreundet gewesen waren, wollten wir schließlich heiraten. Während unserer Verlobungszeit schlug mein Bischof vor, dass wir an den Treffen im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke teilnehmen. Wir probierten es aus, und es war für uns beide bei der Vorbereitung auf die Ehe eine große Hilfe. Wir konnten sehr offen miteinander reden und Fragen und Bedenken ansprechen. Die Hilfegruppe war genau das, was ich brauchte. Dort lernte ich mehr über Suchterkrankungen und über das Sühnopfer, das die Macht hat, uns zu heilen. Wir lernten auch, wie wir gemeinsam mit der Situation zurechtkommen können. Auf alle meine Fragen fand ich dort Antwort. Die Frauen, die an den Treffen teilnahmen und die alle mit einer ähnlichen Situation konfrontiert waren, gaben mir viel Kraft. Sie wurden Freundinnen und Vertrauten für mich.

Mir wurde klar, dass die Sucht meines Verlobten nach Pornografie nichts mit mir oder meinem Aussehen oder Verhalten zu tun hatte. Ich wollte ihn unterstützen und ihm helfen, doch letzten Endes musste er selbst seine Sucht in den Griff bekommen.

Ich wusste, es würde nicht einfach werden, doch durch das, was ich durchgemacht habe, habe ich erkannt, dass das Sühnopfer tatsächlich stattgefunden hat und dass es für jeden von uns auf genau die Weise für uns wirksam wird, die wir brauchen. Ich glaube fest daran, dass diese Macht uns hilft, uns tröstet und uns heilt. Es ist nicht immer leicht, doch mithilfe des Sühnopfers Jesu Christi bekommen wir die Probleme Schritt für Schritt in den Griff.