Ich werde geliebt

Stacys Geschichte


Eine Frau lächelt hoffnungsfroh

Ich war immer schon mit Menschen zusammen gewesen, die an einem Suchtverhalten litten. Meine Geschwister waren drogen- oder kaufsüchtig, sie rauchten oder tranken. Obwohl ich das alles also kannte, machte mir eine Sucht mehr als alle anderen zu schaffen: Mein Freund, mit dem ich vier Jahre zusammen war, war süchtig nach Pornografie.

Er erzählte mir, dass er schon süchtig gewesen war, bevor wir uns angefreundet hatten. Damals wusste ich nicht genau, was das bedeutet. Ich nahm an, dass er jederzeit damit aufhören könne und bestimmt nie wieder rückfällig werden würde, da wir ja nun eine Beziehung hatten.

Neun Monate, nachdem wir angefangen hatten, miteinander auszugehen, und unsere Verlobung bevorstand, gestand er mir einen Rückfall. Er hatte solche Gewissensbisse deswegen, und daher war ich ganz sicher, dass er hinfort nie wieder einen Rückfall haben werde. Aber ich irrte mich – immer wieder landete er in den Fängen seines Suchtverhaltens.

Ich beschloss daher, sein Problem selbst in die Hand zu nehmen. Ich war überzeugt davon, dass es ihm besser gehen würde, wenn er nur auf mich hörte und das tat, was ich ihm sagte. Ich verrannte mich in diesen Gedanken, verstand aber das Wesen einer Sucht überhaupt nicht – weder seiner noch meiner. Ich konnte nicht loslassen, worauf ich keinerlei Einfluss hatte.

In dem Maße, wie mir meine Gefühle wegen des Suchtverhaltens meines Freundes zu schaffen machten, wurde mein Leben bald viel schwerer, als ich es mir je vorgestellt hatte. Wenig später erfuhr ich vom Genesungsprogramm für Suchtkranke und den entsprechenden Selbsthilfegruppen. Ich wollte hingehen, um dort eventuell Hilfe zu erhalten. Zum ersten Treffen kam ich mit der Erwartung, ich würde dort hören, was ich unternehmen solle, damit sich mein Freund ändert. Stattdessen erhielt ich Empfehlungen, was ich tun könne, um mein Leben in den Griff zu bekommen. Zuerst sah ich überhaupt nicht ein, dass ich Hilfe nötig hätte. Nichts von dem, was ich tat, war auch nur annähernd so unrecht wie das, was er tat. Die Grundsätze des Evangeliums im Genesungsprogramm für Suchtkranke halfen mir jedoch zu erkennen, dass ich aufhören müsse, andere ändern zu wollen, und stattdessen an mir arbeiten müsse. Dadurch konnte ich die notwendigen Schritte unternehmen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Nach vier gemeinsamen Jahren und etlichen Rückfällen beendete mein Freund unsere Beziehung. Er ging davon aus, dass er seine Suchterkrankung nicht überwinden könne, und wollte meiner Zukunft nicht im Wege stehen. Vor Kummer war ich wie betäubt und dachte, ich hätte versagt und mein Leben habe keinen Sinn mehr. In dem Bewusstsein, dass ich Hilfe und Trost vom Himmel brauche, ging ich zum Besucherzentrum des nächstgelegenen Tempels. Dort fiel mir eine Schriftstelle an der Wand auf: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11:25; Hervorhebung hinzugefügt,) Mir wurde klar, dass ich mich dem Vater im Himmel und Jesus Christus zuwenden müsse, um wieder zu spüren, dass ich lebe. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Evangeliumsgrundsätze, die mir bei den Treffen im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke vermittelt worden waren, dabei helfen würden.

Meine Heilung begann, als ich Gott das Herz öffnete, mit ihm sprach wie mit einem Freund und ihm sagte, was ich wirklich empfand. Von morgens bis abends versicherte ich mir immer wieder, dass ich eine Tochter Gottes bin und dass Gott mich liebt. Zuerst war das schwer, weil ich meinen eigenen Worten keinen Glauben schenkte. Ich ging davon aus, dass Gott viel zu beschäftigt sei, um sich um jemanden wie mich zu kümmern. Doch aufgrund meiner Beharrlichkeit und Geduld wurde mir schließlich ein Strom göttlicher Liebe zuteil. Und als ich an diese Liebe glaubte, sah ich mich so, wie Gott mich sieht. Endlich fing ich an, mich selbst zu lieben, und ich spürte beständig seine Liebe.

Mein ganzes Leben lang hatte ich gehört, wie wertvoll jeder Mensch ist, doch erst damals entwickelte ich wirklich ein Gefühl dafür. Als ich mir dessen bewusst wurde, wie sehr Gott mich liebt, wuchs auch meine Liebe zu ihm. Der Wunsch, seinen Willen zu tun und seine Gebote zu halten, wurde stärker. Selbst wenn ich jetzt einmal strauchle, fällt es mir leichter, umzukehren, weil ich weiß, dass ich ihm wirklich wichtig bin und dass er möchte, dass ich zu ihm komme.

Durch das, was ich durchgemacht habe, sehe ich alle seine Kinder nun mehr aus seiner Sicht. Dadurch kann ich denen, die mir wehgetan haben, auch eher vergeben. Ich habe den stärkeren Wunsch entwickelt, denen zu dienen, die nicht viel darüber wissen, wie sehr Gott sie liebt.

Ohne den Vater im Himmel, die Grundsätze, die im Genesungsprogramm für Suchtkranke vermittelt werden, und die Prüfungen, die ich wegen dieser Suchterkrankung durchgemacht habe, wäre ich nicht die, die ich heute bin. Ich hätte nicht das gleiche Zeugnis vom Sühnopfer. Ich habe erlebt, wie machtvoll es im Leben wirken kann – ganz gleich, welche Prüfungen oder welcher Kummer auf mich zukommen. Ich weiß, dass der Vater im Himmel mich wahrlich liebt. Er weiß, wer ich bin. Er weiß auch, was ich durchmache. Und ich bin seine geliebte Tochter.