Verloren und wiedergefunden

Dianes Geschichte


Christus mit einem Lamm in den Armen

18 Jahre lang war mein Sohn den Drogen und dem Alkohol verfallen gewesen. Andauernd zog er von einem Drogenhaus zum nächsten und lebte manchmal sogar in seinem Auto. Er entfremdete sich der Familie und hielt sich auch zu den Feiertagen von Familienfeiern fern. Mir tat das Herz weh. Ich versuchte mich auf den Anruf vorzubereiten, den so viele Eltern erhalten, und stand vor der bangen Frage, ob ich ihn vielleicht frühzeitig zu Grabe tragen müsse. Ich betete immerzu für ihn und klammerte mich an die Hoffnung, dass er eines Tages zu mir zurückkehren würde.

Eines Tages rief mein Sohn an. Er brauchte eine Unterkunft. Am folgenden Tag kamen zwei Kriminalbeamte zu mir, die meinen Sohn suchten. Ich erkannte darin eine Möglichkeit, wie er zur Besinnung kommen könne, und ließ sie wissen, wo er sich aufhielt. Der nächste Anruf kam aus dem Bezirksgefängnis. Mein Sohn verlangte, ich solle ihn gegen eine Kaution herausholen, weil er nichts getan habe, worauf eine Gefängnisstrafe steht. Ich hörte einfach nur zu, und mir brach fast das Herz.

Wann immer er in den nächsten anderthalb Wochen anrief, ließ er seine Wut an mir aus. Er sagte mir, ich sei nie für ihn da. Er versuchte alles, damit ich ihm aus der Klemme helfe. Doch ich wusste, dass außerhalb des Gefängnisses wieder die Drogen auf ihn warteten. Ich ließ ihn wissen, dass ich ihn liebe, und schrieb ihm jeden Tag. Ich schickte ihm Fotos von der Familie und sagte ihm, dass wir ihn lieben und vermissen.

Am folgenden Sonntag fasteten wir als Familie für ihn. Zwei Tage später rief er wieder an, und ich machte mich neuerdings auf Vorwürfe gefasst. Doch diesmal sagte er etwas ganz anderes.

Er sagte: „Mama, ich habe gerade deinen Brief gekriegt. Du hast Recht. Du bist die ganze Zeit für mich da gewesen. Wo sind denn meine sogenannten Freunde jetzt? Nur du bist für mich da.“

Er bat mich, ihn nicht aufzugeben und das fortzuführen, was ich begonnen hatte. Die Richtung, in die sein Leben führte, gefiel ihm nicht, und er wollte sich ändern.

Eine Woche später kam er frei. Er kam mit Führungsbeamten der Kirche zusammen, um von seinem Suchtverhalten loszukommen, und las eifrig im Buch Mormon. Nur sechs Wochen, nachdem wir als Familie für ihn gefastet hatten, konnte ich bereits den Beginn einer Wandlung erkennen. Doch es war ein steiniger Weg.

Schließlich kam mein Sohn in eine Entzugsklinik, wo er weitere Hilfe wegen seiner Suchterkrankungen erhielt. Ich unterstützte ihn unablässig und brachte ihm täglich Briefe und Konferenzansprachen vorbei. Was ich ihm gab, gab er wieder an andere Patienten weiter, und bald erhielt er den Spitznamen „der Prediger“. Er arbeitete die Schritte im Genesungsprogramm für Suchtkranke durch, was ihm leichtfiel, weil er in einer Familie groß geworden war, in der gebetet wurde. Er war ein gutes Beispiel für andere und machte abends seine Runde, um einen jeden zu ermuntern, zu beten und Gott um Hilfe zu bitten.

Unterdessen fing ich an, zu den Treffen der Familienhilfegruppe im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke zu gehen. Zu meinem Entsetzen erfuhr ich dort, dass ich co-abhängig war. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass es ein solches Wort überhaupt gibt, geschweige denn, was es bedeutet, doch dort lernte ich, dass ich all die Jahre versucht hatte, meinen Sohn aus seiner Abhängigkeit zu befreien, dass ich der Sucht gegenüber jedoch machtlos war. Er brauchte die Hilfe seines himmlischen Vaters.

Ich wusste, der Herr wollte, dass ich die Sorge um meinen Sohn losließ. Er wollte, dass ich ihm vertraue, und er ließ mich wissen, dass er meinen Sohn noch weit mehr liebt als ich. Er half mir, im Herzen Frieden zu finden, weil ich spürte, dass Gott in der Klinik über meinen Sohn wacht und dass Wunder geschehen.

Mein Sohn ist nun schon seit einigen Monaten von seiner Sucht frei. Er ist nicht mehr in der Entzugsklinik und geht mit seiner Tochter in die Kirche. Die Mitglieder der Gemeinde mögen und unterstützen ihn. Um seine Genesung fortzusetzen, nimmt er jede Woche an den Treffen im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke teil. Ich habe miterlebt, wie sehr er sich verändert hat. Er hat eine Beziehung zum Vater im Himmel und auch großen Glauben. Er betet regelmäßig und hat die Segnungen des Sühnopfers verspürt.

In all diesen Jahren hatte mein Sohn das Gefühl, dass ich die Einzige sei, auf die er sich verlassen könne. Bei jeder Gelegenheit lasse ich ihn wissen, dass ich ihn liebe. Doch für mich als Mutter ist es herrlich zu wissen, dass er sich jetzt auf den Vater im Himmel verlässt und darauf, dass sein Heiland, nämlich Jesus Christus, ihn rettet. Mein Sohn war verloren, doch jetzt ist er wiedergefunden. Ich danke dem Herrn für dieses wunderbare Geschenk.