Berge versetzen

*Leahs Geschichte


Ein Berg

Als mich mein Mann nach 13 Jahren Ehe an unserem Hochzeitstag mit der Nachricht überraschte, er wolle sich scheiden lassen, fiel ich aus allen Wolken. Es war nicht alles gut gelaufen, doch hatte ich keine Ahnung davon gehabt, wie schlimm es wirklich um ihn stand. Ich weiß noch, wie verzweifelt ich war und dass ich alles tun wollte, um ihn umzustimmen und unsere Familie zu retten.

An jenem Abend kniete ich mich nieder, schüttete dem Herrn das Herz aus und bat ihn, mir zu verstehen zu geben, was ich tun solle. Anschließend saß ich im Schlafzimmer, schaute aus dem Fenster und dachte daran, wie wir zwei Jahre zuvor in dieses Haus eingezogen waren. Ein Grund, der uns bewogen hatte, genau dorthin zu ziehen, war die wunderschöne Wiese hinter unserem Haus gewesen. Nachdem wir etwa ein Jahr dort gewohnt hatten, kamen jedoch große Bagger, pflügten den ganzen Boden um und hinterließen ein Nichts, wo sich einst etwas so Schönes befunden hatte. Dann schütteten die Arbeiter gleich hinter unserem Haus Wagenladungen voll Erde auf, bis der Erdwall die Länge eines Fußballfelds erreicht hatte und so hoch war wie unser zweistöckiges Haus.

Auf diesen Erdhaufen starrte ich nun. Nachdem sich dort schon zwei Jahre lang nichts getan hatte, war der Erdhaufen hinter unserem Haus von unansehnlichem Unkraut überwuchert. Als ich über diesen Schandfleck nachdachte, wandten sich meine Gedanken der Schriftstelle zu, dass wir Berge versetzen können, wenn wir nur genügend Glauben haben (Matthäus 17:20). Ich wusste, dass der Herr mir helfen könne, diesen Berg zu versetzen, der sich da in mein Leben gedrängt hatte. Ich flehte den Vater im Himmel an, mir beizustehen.

Am nächsten Tag wurde ich von einem Geräusch hinter dem Haus geweckt, das sich wie ein riesiger Rasenmäher anhörte. Ich stand auf und sah aus dem Fenster. Zu meiner Überraschung war ein Schaufellader dabei, die Erde – eine Schaufelladung nach der anderen – abzutragen und in einen Muldenkipper zu schütten. Als der Lastwagen voll war, wechselte der Fahrer das Fahrzeug und fuhr davon. Etwa zehn Minuten später kam er mit einem leeren LKW zurück und füllte auch diesen mit Erde an.

Im Lauf des Tages, so konnte ich beobachten, wiederholte sich dieser Vorgang, bis mir schließlich klar wurde, was der Fahrer da tatsächlich tat. Er war dabei, den großen Berg zu versetzen –, und zwar eine Schaufelladung nach der anderen. Nachdem sich der Erdhaufen schon zwei Jahre dort befunden hatte, erkannte ich, dass dies nicht aus Zufall gerade jetzt geschah, nachdem ich am Abend zuvor den Herrn angefleht hatte, meinen Berg zu versetzen. Ich verstand, dass der Vater im Himmel mir helfen würde, meinen Berg zu versetzen, dass es aber lange dauern würde – eine kleine Schaufelladung nach der anderen. Dieser Gedanke gab mir Hoffnung für meine Familie und meine Ehe.

Eine Woche danach erfuhr ich von der Pornografiesucht meines Mannes und den unangemessenen Beziehungen zu anderen Frauen, die er über soziale Netzwerke eingegangen war. Ein Freund seines älteren Bruders hatte ihn, als er noch ein Kind war, mit Pornografie in Berührung gebracht und er hatte über 20 Jahre lang damit gerungen. So niederschmetternd diese Kunde auch war, so war es doch auch eine ungeheure Erleichterung, endlich zu wissen, warum mein Mann nicht fähig war, eine enge Beziehung zu mir aufzubauen. Meine Mann war überrascht, dass ich seine Genesungsversuche unterstützte, und entschied sich deshalb, bei uns zu bleiben.

Wir besuchten die Hilfegruppen des Genesungsprogramms für Suchtkranke. In der Gruppe für betroffene Ehepartner fand ich sogleich Hilfe. Dort fand ich ein Ventil für die Gefühle und Ängste, die mich damals belasteten. Statt mich auf meinen Mann und seine Genesung zu konzentrieren, konnte ich mich mit meiner eigenen Heilung befassen und das Problem der Pornografie nach und nach umfassender begreifen lernen. Ich konnte meinem Mann vergeben und das Bedürfnis, ihn zu überwachen oder zu kontrollieren, loslassen. Ich verstand meine eigenen ungesunden Verhaltensweisen und meine krankhafte Einstellung besser und änderte mein Verhalten. Mit der Zeit machten wir gemeinsam Fortschritt. Wir sahen, wie unser Berg allmählich schrumpfte. Wir nehme jetzt schon seit Jahren an den Treffen im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke teil.

Als ich diese Reise antrat, bestand mein Ziel darin, etwas weniger unglücklich zu sein als zuvor. Jetzt verstehe ich, dass der Herr nicht möchte, dass wir „etwas weniger unglücklich“ sind. Er möchte, dass wir glücklich und froh sind. Wenn ich heute aus dem Fenster schaue, sehe ich schöne Häuser auf dem Land, wo sich einst der hässliche Erdhaufen befunden hat. Keiner würde ahnen, dass dieser Platz jahrelang von einem unansehnlichen Erdhaufen eingenommen worden war. Das trifft auch auf meine Ehe zu. Zu guter Letzt haben wir jetzt eine Ehe ohne die Bürde einer Suchterkrankung. Unsere Ehe ist nicht ohne Probleme, aber doch alles andere als unglücklich.

Ich liebe meinen Mann nicht nur für das, was er überwunden hat, sondern auch für das, was er dadurch geworden ist. Ich freue mich über die Veränderungen, die ich an mir selbst feststelle, denn ich bin dem Herrn durch diese Prüfung nähergekommen. Vor allem aber habe ich ein Zeugnis davon erlangt, dass der Herr tatsächlich Berge versetzen kann. Unser Berg der Suchterkrankung wurde durch die Schönheit und heilende Macht des Sühnopfers des Erretters ersetzt – und zwar eine kleine Schaufelladung nach der anderen.

Wir sind nun schon mehr als 15 Jahre verheiratet, und mein Mann hat beinahe drei Jahre ohne Rückfälle hinter sich. Wir haben einander versprochen, unser Leben lang weiterhin die Treffen im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke zu besuchen, und sind dem Erretter auf ewig dankbar dafür, dass er unsere Ehe geheilt und unsere Familie gerettet hat.

* Name geändert.