Wunder können geschehen

Jans Geschichte


Pink-farbene Blumen vor dem Laie-Hawaii-Tempel.

Meine Sucht nach verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und mein Kampf mit Magersucht- und Bulimie nahmen ihren Anfang kurz nachdem mein drittes Kind zur Welt kam. Ich hatte mehrere Monate lang strikt Diät gehalten und hatte ein sehr geringes Gewicht erreicht. Eines Tages war ich so hungrig, dass ich es nicht mehr aushielt und so lange aß, bis mir schlecht wurde. Nachdem ich mich übergeben hatte, fühlte ich mich besser und mir kam der Gedanke, dass ich essen konnte, so viel ich wollte, ohne zuzunehmen. Ich redete mir ein, dass ich es nur ab und zu machen würde, aber es kam dazu, dass ich es über die nächsten 12 Jahre hinweg 25 Mal pro Tag machte.

Ich dachte, mein Kampf mit der Bulimie wirke sich nicht auf meine Familie aus, aber da irrte ich mich. Ich drängte meinen Mann und meine Kinder von mir ab, damit ich es im Geheimen tun konnte. Ich war nie für sie da, weil ich ständig daran dachte, wann ich wieder essen und mich übergeben würde. Danach war ich immer so erschöpft, dass ich ihnen nicht die Zeit widmen konnte, die sie brauchten.

Ein paar Jahre später hörte ich auf, zur Kirche zu gehen und den Zehnten zu zahlen, weil ich mich von einem anderen Mitglied der Kirche beleidigt fühlte. Bald ging es mit mir bergab – ich verlor meine Arbeitsstelle sowie meine Gesundheit und meine Familie. Meine Tochter lief von zu Hause weg und fing an, Drogen zu nehmen, und als meine Süchte so überhandnahmen, dass ich mich nicht mehr um mich kümmern konnte, verlor ich das Sorgerecht für meinen Sohn. Mein Leben war außer Kontrolle geraten und ich wollte sterben.

Ich ging in mehrere Entzugseinrichtungen für Menschen mit Essstörungen, aber nichts funktionierte. Ich schaffte es nicht, alleine mit meinen Süchten fertigzuwerden, ganz gleich, wie sehr ich es versuchte.

Ich erreichte meinen Tiefpunkt, als ich nach einem dreitägigen Koma in einem Krankenhaus aufwachte. Ich hatte nur dank der Barmherzigkeit des Herrn überlebt. Nachdem ich stationär eine weitere Entziehungskur für Personen mit Essstörungen begonnen hatte, betete ich und flehte den Herrn an, mir dabei behilflich zu sein, von meinen Süchten loszukommen. Ich schlug zum ersten Mal seit Jahren mein Buch Mormon auf und starrte auf Alma 7:23. Dort steht:

„Und nun möchte ich, dass ihr demütig seid und fügsam und sanft seid; leicht zu bewegen; voller Geduld und Langmut; maßvoll seid in allem; eifrig seid im Halten der Gebote Gottes zu allen Zeiten; um alles bittet, dessen ihr bedürft, sowohl geistig als auch zeitlich; und immer Gott Dank zurückgebt für alles, was ihr empfangt.“

In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich, wenn ich dieser Schriftstelle genau folgte, genesen würde. An jenem Tag fand ich meinen Erlöser. Ich fing an, jeden Tag in den Schriften zu lesen, intensiver zu beten und mir große Mühe zu geben, den Willen des Herrn zu tun.

Nach der Behandlung waren meine Essstörungen weg. Meine Reise war aber noch nicht vorüber; denn die verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die ich während der Entziehungskur erhielt, wurden meine neue Sucht. Ich hielt es wirklich nicht für ein Problem, da sie ja verschrieben wurden, auch wenn ich mich nicht an die richtige Dosierung hielt.

Der Herr wusste, dass ich mehr Hilfe brauchte, also sorgte er dafür, dass ich einen Mann kennenlernte, der zu mir hielt und mir half, geistig und körperlich wieder in die Spur zu kommen. Dank seiner Ermutigung und seiner ständigen Erinnerungen, die ich brauchte, um mich auf meinen Erretter zu stützen, war ich in der Lage, auch meine letzte Sucht zu überwinden. Wir heirateten und er steht mir weiterhin zur Seite.

Meine Reise durch die Sucht ist sehr lang gewesen. Ich wünsche, ich hätte die Freude, die ich jetzt dank meines Heilands in meinem Leben habe, schon vor Jahren gekannt. Ich bin nicht mehr dieselbe wie vor zehn Jahren. Ich liebe den Herrn von ganzem Herzen und mit ganzer Seele und möchte immer Gutes tun.

Mein Mann und ich dienen derzeit als Missionare im Genesungsprogramm für Suchtkranke und haben schon viele Wunder erlebt. Ich weiß, dass für Menschen mit Süchten dieses Programm für Suchtkranke der Schlüssel zum Glücklichsein ist, weil das Sühnopfer Jesu Christi dabei im Mittelpunkt steht. Mit der Kraft und dem Trost des Sühnopfers werden Wunder geschehen. Das weiß ich, weil ich selbst süchtig war.