Von großem Wert

Lou Anns Geschichte


Eine Frau auf den Knien, sie betet.

Ich war 27 Jahre meines Lebens im Nebel der Finsternis verloren. Meine Süchte glitten von Alkohol und Marihuana zu Kokain, Metamphetamin und Heroin über.

Anfang 2005 zog ich mir eine lebensbedrohliche Infektion im Arm zu, die täglich ärztlich behandelt werden musste. Damals war ich obdachlos. Ich schlief nachts in einer schmutzigen, kalten Garage und streunte tagsüber auf den Straßen umher. Ich war total heruntergekommen und nicht in der Lage, richtig für mich zu sorgen. Ich wandte mich an meine Mutter und bat sie, mich jeden Tag zum Krankenhaus und zurück zu fahren, damit ich die erforderliche Behandlung erhalten konnte. Als sie mir half, erklärte sie, dass ich aufhören müsse, Drogen zu nehmen. Ich gab zwar vor, ihr zuzustimmen, hielt es aber nicht für möglich, dass ich je damit aufhörte, und glaubte, dass ich bald an meiner Sucht sterben würde.

Aber meine Mutter gab nicht auf. Jahre zuvor hatte sie einen Segen erhalten, als die Sorge über ihre missratenen Kinder sie überwältigt hatte. Ihr wurde gesagt, dass ihre Kinder ihrem Vater im Himmel mehr wert waren als die Welt, und das wurde ihr Motto. Jedes Mal, wenn ich sie sah, erinnerte sie mich daran, welch großen Wert ich hatte. Ich glaubte ihr zwar zuerst nicht, aber es stimmte mich nachdenklich.

Bald darauf ging ich in eine Entzugsklinik. Aber nachdem ich fünf Tage lang todkrank war, hielt ich es nicht mehr aus und verließ sie wieder. Ich fuhr per Anhalter zu meinem Freund und nahm Heroin. Aber weil ich mit dem Entzug begonnen hatte, erlitt ich einen Atemstillstand und kam fast ums Leben. Mein Freund reanimierte mich, aber drei Stunden später nahm ich wieder Heroin. Ich war hoffnungslos süchtig. Selbst als ich beinahe starb, hielt mich das nicht von dem Gift ab, das mich sowohl körperlich als auch geistig tötete.

Meine Mutter sagte mir, dass sie immer für mich betete, und eines Tages fing sie an, den Vater im Himmel anzuflehen, dass er eingreifen und mein Leben retten möge. Sie betete wie nie zuvor. Zwei Wochen später wurde ich als Antwort auf die innigen Gebete meiner Mutter verhaftet. Ich war kaum zurechnungsfähig und war seit fast fünf Jahren obdachlos gewesen. Ich dachte immer nur an meinen nächsten Schuss. Ins Gefängnis zu kommen war jedoch ein Segen und rettete mir das Leben. Als mir im Gefängnis bewusst wurde, dass ich in einer Sackgasse steckte und wahrscheinlich für eine lange Zeit, war ich seltsamerweise erleichtert, obwohl ich wusste, dass es mir sehr schlecht gehen würde, während mein Körper das Gift los wurde, von dem ich so abhängig geworden war. Ich war körperlich, seelisch und geistig vollkommen gebrochen.

In diesen ersten Wochen im Gefängnis war ich todkrank, als mein Körper den Entzug von den Drogen spürte. Mir war zum Sterben zumute. Allmählich erhielt ich die Eingebung, mich im Gebet an den Herrn zu wenden. Dem widerstand ich jedoch und verdrängte es immer wieder. Ich hatte Angst zu versagen, weil ich bereits so oft versagt hatte. Ich schämte mich so sehr und fühlte mich so unwürdig, zum Herrn zu beten. Zum Glück ließen die Eingebungen nicht nach. Eines Tages schließlich, als ich in meiner Gefängniszelle auf- und abging, strömte mir einfach ein Gebet aus dem Herzen. Sobald das Gebet über meine Lippen kam, spürte ich die erstaunliche Liebe, die mein Erlöser für mich hatte. Ich konnte fühlen, dass er in dieser Gefängniszelle bei mir war. Mich überkam auch ein überwältigendes Gefühl des Friedens und der Hoffnung, das ich jahrelang nicht mehr verspürt hatte. Als ich den Herrn anflehte, flossen mir heilende Tränen über die Wangen, und ich wende mich seitdem immer wieder zum Herrn.

Mein Weg durch die Genesung mit meinem Heiland gleicht einem Wunder. Auch meine Beziehungen zu meiner Familie und meinen Freunden werden immer besser. Ich bin dankbar für die Selbständigkeit, die ich bei der Genesung erfahren habe. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass jemand wie ich – eine obdachlose Heroinsüchtige – ein Leben haben könnte, wie ich es heute führe. Ich habe so vieles, für das ich dankbar sein kann.

Nachdem ich zwei Jahre lang als Kursleiterin im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke tätig war, erhielt ich vom Herrn die Eingebung, Missionarin in dem Programm zu werden und die Botschaft der Hoffnung an meine Schwestern im Gefängnis weiterzugeben. Im Rahmen des Genesungsprogramms für Suchtkranke führe ich mit Schwestern in Hochsicherheitsgefängnissen Gespräche unter vier Augen und führe Treffen mit Gruppen in anderen Situationen durch. Es ist eine erstaunliche und heilige Erfahrung, bei der wir vom Geist geführt werden. Ich kann nur darüber staunen, wie der Herr etwas Hässliches und Destruktives wie meine Sucht nehmen und mich durch das Sühnopfer meines Erretters, Jesus Christus, heilen und meine Sucht und Genesung nutzen kann, um Gutes zu tun und sein Reich auf sehr machtvolle Weise aufzubauen. Es bringt mir große Freude, dem Herrn zu dienen. Ich vertraue ihm mit allem, was ich bin. Ich erwarte mit einem vollkommenen Glanz der Hoffnung das, was der Herr als Nächstes im Genesungsprogramm für mich bereithält.