Die Gedanken des Herzens

Jesses Geschichte


Ein Missionar, der an seinem Schreibtisch sitzt und sich mit den heiligen Schriften befasst.

Als ich zum ersten Mal mit Pornografie in Berührung kam, wurde ich völlig überrumpelt. Ich bereitete mich gerade auf meine Führerscheinprüfung vor und suchte im Internet nach einem Auto. Bei der Suche gelangte ich aus Versehen auf eine Seite, von der ich wusste, dass sie schlecht war. Mir war sofort klar, worum es sich hier handelte, und ich schaltete den Computer aus.

Ich spürte, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Entweder konnte ich mit meinem Vater darüber reden oder es verschweigen und selbst damit fertig werden. Ich hatte den Fehler zwar unbeabsichtigt begangen, war jedoch erschrocken und wollte nicht mit meinem Vater darüber sprechen. Ich dachte jedoch immer wieder an das Bild, das ich im Internet gesehen hatte, und gab der Versuchung schließlich nach. Meine Gedanken führten mich auf einen Weg, der geprägt war von Einsamkeit, Schmerz, Furcht, Unsicherheit, Lügen und Taten, die ich auf immer bereuen werde.

Zwei Jahre lang kämpfte ich mit dieser Sucht und wollte nicht damit aufhören. Stattdessen stellte fest, dass ich immer mehr davon wollte. In meinem tiefsten Innern wusste ich, dass ich mich ändern musste, denn was ich tat, war falsch. Das wusste ich. In meinem letzten Jahr auf der Highschool entschied ich mich endlich, mich zu ändern. In meiner Gemeinde war kurz zuvor ein neuer Bischof berufen worden. Dadurch fiel es mir schwer, ihn in seinem Büro aufzusuchen und ihm zu erzählen, was ich getan hatte. Ich schämte mich sehr und es tat sehr weh. Ich wusste jedoch nicht, wie es in meinem Leben weitergehen sollte, also war klar, dass ich es tun musste.

Als ich schließlich meinen Bischof aufsuchte, erzählte ich ihm, was ich in den letzten zwei Jahren getan hatte. Zum ersten Mal fühlte ich so etwas wie Erleichterung, doch war dies erst der Anfang meines Kampfes um meine Freiheit. Der Bischof sprach sehr freundlich mit mir und sagte mir, ich solle damit anfangen, in den Schriften zu lesen, zu beten und mich öfter mit ihm zu treffen. Er fragte mich, ob es notwendig sei, mir so lange das Vorrecht zu nehmen, am Abendmahlstisch zu amtieren, bis ich die Sache bereinigt hätte. Ich wusste zwar sofort, dass ich das nicht wollte, da ich mich aber ändern wollte, nahm ich seinen Rat an.

Im Verlauf des darauffolgenden Jahres befreite ich mich von der körperlichen Abhängigkeit des Pornografiekonsums und fühlte mich großartig. Mir wurde jedoch erst später klar, dass damit die Schlacht noch lange nicht vorüber war. Ich machte meinen Highschool-Abschluss und ging auf Mission. Während meiner Mission stellte ich fest, dass die körperliche Abhängigkeit für mich zwar relativ leicht zu überwinden war, dass es aber weitaus schwieriger war, meine Gedanken in den Griff zu bekommen. Mir war, als würde ich einen Kampf ausfechten, der sich in meinem Kopf abspielte und den ich nicht gewinnen konnte.

Ich begann, meinen Glauben anzuzweifeln und mich zu fragen, warum ich eigentlich auf Mission war. All die Gefühle der Scham, der Angst, der Unaufrichtigkeit und des Vertuschens meiner Vergangenheit kamen wieder zurück. Am liebsten wäre ich davongelaufen, um meine Probleme zu verstecken. Wiederum musste ich eine Entscheidung treffen, und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich fühlte mich verloren und von allen Seiten besiegt. Ich wollte aufgeben.

Mir kam jedoch etwas in den Sinn, was ich bereits als Kind gehört hatte. Es ging um das Sühnopfer Jesu Christi, darum, dass man beten und durch Christus Vergebung erlangen kann. Ich beschloss, dieses Prinzip auf die Probe zu stellen, wobei mir war klar, dass dieser Prozess nicht einfach sein würde. Am Anfang sagte ich mir, ich müsse es nur von einem Tag auf den nächsten schaffen. Mein Missionspräsident meinte, ich solle jedes Mal Sport treiben, wenn mir schlechte Gedanken kämen oder ich versucht sei, etwas Schlechtes zu tun. Nun nahm etwas seinen Anfang, was weder groß noch gewaltig war – dennoch war es ein Wunder. Es war ganz einfach. Ich wandte mich an den Herrn und sagte: „Das schaffe ich nicht allein. Bitte hilf mir!“

Auch jetzt war es noch nicht einfach und brauchte Zeit. Ich las in den Zeitschriften der Kirche und im Buch Mormon. Auch fastete und betete ich, um das Sühnopfer in meinem Leben wirklich wirksam werden zu lassen. Schließlich – es war an einem Sonntagabend – empfand ich ein überwältigendes Gefühl des Friedens und der Freiheit. Mir wurde bewusst, dass ich mir selbst vergeben und den Sieg über das errungen hatte, was mich so viele Jahre gequält hatte. Ich verspürte inneren Frieden und Dankbarkeit für das Sühnopfer Jesu Christi. Dies war ein Sieg – ein Sieg, der auf ewig in Erinnerung bleiben sollte!

Am Ende meiner Mission kehrte ich ehrenvoll in den Kreis meiner Familie und Freunde zurück. Ich wurde überaus reichhaltig gesegnet und weiß, dass das nicht möglich gewesen wäre, wenn ich mich nicht entschieden hätte, den Herrn um Hilfe zu bitten. Mittlerweile bin ich mit einer wunderbaren Frau glücklich verheiratet, die mich liebt und mich in all meinen Bemühungen unterstützt. Wir erwarten gerade unser erstes Kind.

Noch immer kämpfe ich mit der Erinnerung an das, was ich vor fast zehn Jahren getan habe, aber jetzt dient es als Mahnung an etwas, was ich nie wieder tun will. Ich stelle fest, dass ich Frieden mit meiner Vergangenheit geschlossen habe, auch wenn ich noch versucht werden mag. Ich weiß aus tiefstem Herzen, dass mir der Herr vergeben hat und dass ich mir selbst vergeben habe.