Worum es im Leben geht

Jons Geschichte


Ein geöffnetes Buch mit familiengeschichtlichen Angaben.

Als Jugendlicher fing ich an, Alkohol zu trinken und verschiedene harte Drogen zu nehmen. Im Laufe der Zeit verfiel ich der Sucht immer mehr und fing an, immer öfter Drogen zu nehmen, bis ich es schließlich jeden Tag tat.

Kurz nach meinem 36. Geburtstag hatte ich das Gefühl, an meinem tiefsten Punkt angelangt zu sein. Ich betete zum Vater im Himmel: „Gott, wenn du da bist, brauche ich dich wirklich. Leben wir nur, um zu arbeiten und irgendwann zu sterben? Wenn wir Glück haben, haben wir ein paar gute Beziehungen; und wenn wir großes Glück haben, haben wir eine Familie? Ist das alles?“

Als ich am nächsten Morgen am Bahnhof war, kam eine Frau auf mich zu und sagte: „Entschuldigen Sie, ich möchte Ihnen dies gerne geben.“ Ich blickte auf das herab, was sie in der Hand hielt, und sah, dass es ein Bild des Heilands war. Es war ein Infokärtchen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich wusste, dass es die Antwort des himmlischen Vaters auf mein einfaches Gebet war. Die Frau schrieb ihre Kontaktangaben auf das Kärtchen. Dieser Kontakt führte mich zur Kirche. Als ich dort war, sagte der Mann, der an diesem Tag sprach: „Sie sind genau da, wo Sie sein sollen!“ Er wiederholte dies mehrmals im Laufe seiner Ansprache, und ich spürte jedes Mal, dass das, was er sagte, wahr ist. Ich beschloss, mich mit der Kirche zu befassen.

Ein anderes Mitglied der Gemeinde freundete sich mit mir an und blieb jeden Sonntag während aller Versammlungen bei mir. Drei Monate später ließ ich mich taufen. Ich kämpfte auch nach der Taufe weiterhin mit meinen Süchten, und mein neuer Bekannter in der Gemeinde erzählte mir von dem Genesungsprogramm für Suchtkranke. Durch die Evangeliumsgrundsätze, die in dem Programm vermittelt werden, erfuhr ich, dass der Herr uns segnet, weil er weiß, dass wir wirklich versuchen, uns zu bessern. Jede Anstrengung, die wir unternehmen, ermöglicht es dem Herrn, uns seine heilende Gnade zu erweisen.

Bald nach meiner Taufe fing ich an, mich darauf vorzubereiten, in den Tempel zu gehen, um mich für Verstorbene taufen zu lassen. Ich war begeistert, dass ich die Ehre hatte, stellvertretend für meine verstorbenen Angehörigen an heiligen Handlungen teilzunehmen. An dem Morgen, an dem ich in den Tempel gehen wollte, gab ich aber leider meiner Sucht nach und trank Alkohol, sodass ich die heiligen Handlungen nicht vollziehen konnte. Ich wurde jedoch ermutigt, zum Tempel mitzukommen und Zeit auf dem heiligen Grundstück zu verbringen. Ich blieb draußen, als die anderen Mitglieder hineingingen. Ich bat meinen Bekannten, die heiligen Handlungen für meine Vorfahren zu verrichten. Anfangs war ich zufrieden damit, draußen in den heiligen Schriften zu lesen. Als ich den Tempel betrat und im Wartebereich saß, wurden mir jedoch die Konsequenzen meines Handelns auf schmerzliche Weise bewusst. Das Wissen, dass ich die heiligen Handlungen nicht selbst vollziehen konnte, verursachte mir unerträglichen Kummer. Ich wollte an diesen heiligen Handlungen beteiligt sein, kämpfte aber immer noch mit meinen Süchten. Wie konnte ich sie nur jemals überwinden?

Eines Abends fuhr ich die Schnellstraße entlang und hatte unheimliches Herzklopfen. Ich versuchte anzuhalten, konnte aber weder steuern, noch Gas geben oder bremsen. Ich hatte das Gefühl, dass ich sterben würde, fühlte mich aber nicht bereit dafür. Ich spürte die Last der Enttäuschung auf meinen Schultern, die ich mir und anderen aufgrund meiner Süchte verursacht hatte.

Es war das schlimmste Gefühl der Welt. Mir wurde klar, dass ich dadurch, dass ich die Gebote nicht befolgt hatte, alle enttäuscht hatte – meine Freunde, meine Brüder und Schwestern im Evangelium, meine Familie, meine Vorfahren und mich selbst. Ich verspürte Bedauern, Trauer und tiefe Reue.

Als ich in meine Wohnung zurückkehrte, nahm ich meine Schriften zur Hand und schlug Lehre und Bündnisse 93 auf. „Wahrlich, so spricht der Herr: Es wird sich begeben: Jede Seele, die von ihren Sünden lässt und zu mir kommt und meinen Namen anruft und meiner Stimme gehorcht und meine Gebote hält, wird mein Angesicht sehen und wissen, dass ich bin.“

Ich hatte das Gefühl, es sei eine Botschaft an mich persönlich, und wusste, was ich zu tun hatte. Mein Zeugnis wurde gestärkt und mein Entschluss, die Gebote des Herrn zu halten, prägte sich in meine Seele ein.

Mit der Klarheit, die sich einstellte, als ich drogen- und alkoholfrei war, fühlte ich mich inspiriert, meiner leiblichen Mutter ein Buch Mormon, mein Zeugnis und verschiedenes Material der Kirche zu schicken. Dies führte schließlich dazu, dass sie die Lehren und Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums annahm. Sie nimmt jetzt Änderungen in ihrem Leben vor, um sich auf die Taufe vorzubereiten. Ich erhalte weiterhin jeden Tag kleine Segnungen, und indem ich sie erkenne und mich dafür bedanke, werde ich noch mehr gesegnet.

An meinem Geburtstag im Jahr 2008 konnte ich in den Tempel gehen und mich stellvertretend für einige meiner Vorfahren taufen und konfirmieren lassen. Seitdem habe ich auch mein Endowment im Tempel empfangen. Ich erinnere mich daran, wie ich im celestialen Raum die Schriften zur Hand nahm. Ich schlug sie wahllos auf und las LuB 132:49,50. „Denn ich bin der Herr, dein Gott, und werde mit dir sein, ja, bis ans Ende der Welt und durch alle Ewigkeit …Siehe, ich habe deine Opfer gesehen und werde alle deine Sünden vergeben; ich habe deine Opfer gesehen, als du dem, was ich dir gesagt habe, gehorsam gewesen bist. Darum gehe hin, und ich werde dir einen Ausweg schaffen, so wie ich Abrahams Opfer angenommen habe, seinen Sohn Isaak darzubringen.“

Damit hat mich der Herr an die Reise erinnert, die ich zurückgelegt habe und an der er jetzt Wohlgefallen hat. Ich sehe deutlich, wer ich werden kann und woran ich arbeiten muss, um das Kind Gottes zu sein, von dem er weiß, dass ich es bin.

Wenn der Herr mich jetzt fragen würde: „Was fängst du mit deinem Leben an?“, könnte ich antworten: „Ich arbeite weiterhin daran, vollkommen zu werden. Ich verkünde das Evangelium, erlöse die Toten und kümmere mich um die Armen.“ Ich meistere das Leben so gut ich kann und lasse nie die eiserne Stange los.