Befreie mich von meinen Sünden und trockne mir die Tränen

Ryans Geschichte


Ein junger Mann schaut in die Natur

Mein Name ist Ryan, und ich war süchtig nach Pornografie, Alkohol, Marihuana, Kokain, Crystal Meth, Ecstasy, Pilzen, verschreibungspflichtigen Tabletten und Tabak.

Mit 13 Jahren wurde ich pornografiesüchtig. Dass ich als so junger Mensch nach Pornografie süchtig war, führte dazu, dass ich mich leer und verwirrt fühlte. Ich fing an, ein Doppelleben zu führen. Mein eines Leben war angefüllt mit Pfadfinderaktivitäten und Sportarten wie Fußball, Ringen, Schwimmen, Leichtathletik und meinem Lieblingssport Baseball. Das andere Leben fand im Verborgenen statt und bestand darin, dass ich mich völlig von Pornographie vereinnahmen ließ.

In der neunten Klasse wurde ich aus der Baseball-Mannschaft genommen, weil die Trainer mir sagten, ich sei zu klein. Als das passierte, wusste ich nicht mehr, wer ich eigentlich noch war, denn Baseball war doch mein Leben. Obendrein hatte ich einen Lehrer, der mich wissen ließ, dass ich es nie zu etwas bringen würde. Nun fühlte ich mich vollkommen wertlos. Das Gefühl, ich würde zu nichts taugen, wurde immer schlimmer, bis ich eines Abends beschloss, mir das Leben zu nehmen. Als ich schon daranging, tatsächlich Suizid zu begehen, forderte mich der Heilige Geist auf, augenblicklich damit aufzuhören. Ich ließ es wirklich sein. Doch anstatt mir Hilfe zu suchen, beschloss ich, verschreibungspflichtige Medikamente zu nehmen, um meinen Schmerz und meine Verwirrung zu betäuben. Ich war ja schon pornografiesüchtig, und nun hatte ich auch noch eine Tablettensucht. Eine lange Kette von Abhängigkeiten nahm damit ihren Anfang.

Mit 17 war ich süchtig nach Alkohol, Drogen und Abfeiern. Außerdem sah ich mir weiterhin Pornografie an, wodurch ich mich noch miserabler fühlte. Meine Freunde hatten einen schlechten Einfluss auf mich, und ich befand mich immerzu in einem Umfeld, wo ich in Versuchung geriet und den Geist nicht bei mir haben konnte. Ich wurde jemand, der abfeierte, trank und unmoralische Sachen machte.

Als meine Süchte zunehmend die Oberhand gewannen, entfernte ich mich immer mehr vom Evangelium Jesu Christi. Ich bin in der Kirche aufgewachsen, entschied mich aber, nichts mehr damit zu tun zu haben. Aber als ich 21 wurde, fing ich an, mit einem Mädchen auszugehen, das ich aus der High School kannte. Wir hatten beide mit Süchten zu kämpfen und wussten beide, dass wir uns ändern mussten. Wir begannen, gemeinsam wieder in die Kirche zu gehen, und bemühten uns von da an, von unseren Süchten loszukommen. Ich fing auch wieder an, zum Institut zu gehen, um mir die geistige Verbindung zu Gott zu ermöglichen, die mir so lange gefehlt hatte. Schließlich hatte ich das Gefühl, ich hätte meine Süchte in den Griff bekommen.

Ich heiratete meine Freundin und es ging aufwärts mit mir – ungefähr zwei Jahre lang. Meine Frau und ich hatten gerade ein Baby bekommen, wir hatten eine neue Firma und ich ging zur Schule. Ich arbeitete auch oft außerhalb der Stadt in einer Einrichtung für Jungen im Teenageralter, die in Schwierigkeiten steckten. Um das Maß voll zu machen, hatten meine Frau und ich finanziell zu kämpfen, und durch all diesen Stress hatte ich das Gefühl, die Last der ganzen Welt auf den Schultern zu tragen. Nach einem langen Arbeitstag in der Einrichtung gingen meine Kollegen immer zur Entspannung in eine Bar. Ich begann, mich ihnen anzuschließen, und bald darauf fiel ich wieder in meine Sucht nach Alkohol und Kautabak zurück. Ich lungerte wieder in derselben schlechten, verlockenden Umgebung herum, die mir zuvor so viel bedeutet hatte – dort, wo meine Süchte aufblühten.

Eine Weile verheimlichte ich meiner Frau das Trinken und die Drogen. Dann teilte sie mir eines Tages mit, dass sie wieder zu trinken angefangen hatte, und ich gestand, dass es mir genauso ging. Wir fingen an, miteinander zu trinken und ich geriet in weitere Süchte, wie nach Spice, „Badesalzen“ (Mephedron) und verschreibungspflichtigen Medikamenten. Ich fing an, Mephedron und Spice an sogenannte Coffeeshops zu verkaufen.

Erst als meine Frau sieben Tage durchgehend wachblieb und sich betrank, griffen unser beider Familien ein und machten uns klar, dass wir Hilfe brauchten. Sie sagten mir, ich solle meinen Drogenhandel aufgeben, aber ich sträubte mich. Meine Frau fing an, zu den Treffen vom Genesungsprogramm für Suchtkranke zu gehen, und bat mich, sie zu begleiten. Sie drohte mir sogar mit Scheidung, sollte ich es nicht tun. Aber ich war immer noch zu stolz und verbittert und dachte, ich würde diese Treffen nicht brauchen. Man hatte schon früher gerichtlich verfügt, dass ich die Treffen der Anonymen Alkoholiker und andere Zwölf-Schritte-Gruppen besuchte. Es hatte aber nie geholfen. Als mir aber endlich klar wurde, dass ich nicht einen Tag durchstehen konnte, ohne Alkohol und Drogen zu mir zu nehmen, erkannte ich, dass ich Hilfe brauchte.

Ich begann, zu den Treffen des Genesungsprogramms für Suchtkranke zu gehen. Mir gefiel zwar die Anleitung mit den Zwölf Schritten, doch ich hatte immer noch damit zu kämpfen, dass ich zu meiner alten Lebensweise zurückkehren wollte. Da betete ich erstmals seit Jahren zu Gott und bat ihn, mir etwas zu geben – irgendetwas, was mich von dem Verlangen ablenken würde, Drogen zu mir zu nehmen oder zu verkaufen. Daraufhin hatte ich den Eindruck, ich sollte meinen früheren Chef anrufen. Als ich ihn anrief, erfuhr ich von ihm, dass er seit einer Weile einen Mitarbeiter suchte, der mit ihm für ein paar Monate nach Boston gehen würde, um dort an einem Projekt zu arbeiten. Ich beriet mich mit Gott und hatte das Gefühl, dass es richtig sei. Also fuhren wir am nächsten Tag los.

In Boston las ich die Zwölf-Schritt-Anleitung des Genesungsprogramms für Suchtkranke mehrmals durch. Auch das Buch Mormon las ich zum ersten Mal von vorn bis hinten durch und empfing ein Zeugnis, dass es wahr ist. Boston erwies sich als die Umgebung, die ich brauchte, um von dem Drang, Drogen zu verkaufen, völlig zu genesen. Als ich Boston drei Monate später verließ, fühlte ich mich geistig erfrischt und aufgetankt.

Als ich wieder nach Utah kam, besuchte ich die Treffen des Genesungsprogramms für Suchtkranke 90 Tage lang jeden Tag. Ich erlangte eine tiefe Beziehung zu meinem Heiland Jesus Christus. Endlich begriff ich, dass ich niemals allein bin. Der Erlöser erfüllte mich mit der Hoffnung, dass ich genesen konnte und dass dank ihm ein besseres Leben auf mich wartete. Christus hatte mir das Leben gerettet, als ich in die neunte Klasse ging, und er rettete es jetzt abermals. Ich glaube von ganzem Herzen, dass mir die Teilnahme an den Treffen des Genesungsprogramms für Suchtkranke in der Tat das Leben gerettet hat.

Durch die Erfahrungen, die ich auf dem Weg zu meiner Genesung im Programm für Suchtkranke gemacht habe, konnte ich auch schon anderen beistehen. Ich habe meinem Bruder geholfen, seine Süchte zu überwinden, und bin jetzt Gesprächsleiter bei solchen Treffen. Ich erzähle den Leuten, denen ich helfe, dass sie nicht allein sind – dass es noch andere gibt, die die Schmerzen und Kämpfe, die sie gerade durchmachen, genau kennen. Ich sage ihnen, dass auch ich mich wie sie einsam und wertlos gefühlt und sehr geschämt habe, und dass es für jeden einen Weg zurück gibt. Als ich anfing, mein Leben nach diesem Programm auszurichten, wurde mir bewusst, dass Christus für mich und für einen jeden da ist, und dass er für unsere Sünden bezahlt hat. Es ist nicht vorgesehen, dass wir unsere Sünden mit uns herumschleppen, sondern es ist vorgesehen, dass wir davon umkehren und von ihnen lassen.

Leider bestand meine Frau nach wie vor auf einer Scheidung, und so endete meine erste Ehe. Doch jetzt bin ich wieder verheiratet und habe noch eine hübsche Tochter bekommen. Weil ich meine Süchte unter Kontrolle habe und meine Beziehung zu Gott stärker geworden ist, bin ich ein viel besserer Ehemann und Vater. Ich habe gelernt, einen Tag nach dem anderen zu leben, und gebe mich dem Herrn jeden Tag hin. Ich konnte das Sühnopfer bisher an jedem Tag meines Lebens anwenden und bin so dankbar für seine Macht. Es ist eine Sache, abstrakt an Jesus Christus und das Sühnopfer zu denken. Doch es ist eine ganz andere, viel machtvollere Erfahrung, zu spüren, wie er mich von meinen Sünden befreit und mir die Tränen trocknet.

Ich habe erkannt: Um die Versuchungen zu meiden, die mich dazu bringen, meinen Süchten zu erliegen, muss ich auf heiligem Boden stehen und mich von jedem schlechten Umfeld entfernen. Ich vertraue meinem Erlöser und verlasse mich jeden Tag auf ihn und seine Stärke. „Alles vermag ich durch [Christus], der mir Kraft gibt.“ (Philipper 4:13.)